Landeskulturbericht NRW 2026
Zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von Künstler:innen.

Die Herausforderung
Die wirtschaftliche und soziale Lage von Kulturschaffenden ist kulturpolitisch hoch relevant, aber statistisch schwer zugänglich. Daten liegen häufig in unterschiedlichen Quellen, Systematiken und Aggregationsstufen vor und lassen sich nicht ohne Weiteres so aufbereiten, dass sie für ministerielle Entscheidungen, politische Abstimmungen und öffentliche Berichterstattung gleichermaßen anschlussfähig sind. Genau darin lag die Herausforderung: nicht nur Daten zusammenzutragen, sondern sie so zu analysieren und zu visualisieren, dass sie im Kontext Nordrhein-Westfalens belastbare Orientierung geben.
Unser Ansatz
Unser Ansatz war es, Analysekompetenz, Datenvisualisierung und kulturpolitische Erfahrung eng miteinander zu verbinden. Dafür haben wir den Landeskulturbericht NRW 2022 intensiv ausgewertet, bestehende Berichtslogiken geprüft und zugleich gefragt, welche Informationen für das Ministerium im aktuellen politischen Kontext tatsächlich relevant sind. Dabei ging es nicht nur um statistische Genauigkeit, sondern auch um die Anschlussfähigkeit an ministerielle Arbeitsprozesse, bundesweite Abstimmungen und den kulturpolitischen Diskurs.
Ein zentraler Baustein war die Arbeit mit amtlichen Sekundärdaten, unter anderem zu Einkommen- und Umsatzsteuer. Diese Daten wurden nicht isoliert betrachtet, sondern in eine Form gebracht, die Unterschiede, Spannweiten und strukturelle Problemlagen besser sichtbar macht. Gerade hier war uns wichtig, Visualisierung nicht als nachträgliche Illustration zu verstehen, sondern als analytisches Werkzeug.
Die Lösung
Das Cultural Policy Lab entwickelte für das Kapitel zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von Kulturschaffenden eine zielgenaue Verbindung aus Sekundärdatenanalyse und innovativer Visualisierung. Wir arbeiteten mit der Statistiksoftware R und erstellten eigene Darstellungen, die komplexe Verteilungen und Unterschiede verständlicher machen. Dazu gehörte auch die Arbeit mit Boxplot-Diagrammen — einem Format, das in der Kulturstatistik bislang nur selten eingesetzt wird, aber gerade bei Einkommens- und Verteilungsfragen einen präziseren Blick auf Spannweiten, Ausreißer und strukturelle Ungleichheiten ermöglicht.
So entstand eine Form der Datenaufbereitung, die nicht nur Befunde illustriert, sondern analytisch schärft. Die Visualisierungen wurden bewusst so entwickelt, dass sie sowohl fachlich belastbar als auch für ministerielle und kulturpolitische Kontexte gut lesbar sind. Darin zeigt sich unser Verständnis von Data Storytelling im kulturpolitischen Feld: Daten so aufzubereiten, dass sie Entscheidungen, Debatten und strategische Prioritäten besser unterstützen können.
Wirkung & Transfer
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich Kulturpolitik, Statistik und strategische Kommunikation produktiv verbinden lassen. Für das Ministerium bedeutet das: besser lesbare, politisch anschlussfähige und analytisch belastbare Grundlagen für ein zentrales Thema des Landeskulturberichts. Für uns als Cultural Policy Lab markiert das Projekt einen wichtigen Schritt, weil wir hier unsere kulturpolitische Erfahrung mit datenanalytischer und visueller Innovationsarbeit zusammenführen konnten.
Gerade darin sehen wir unsere Rolle: neue Werkzeuge und Darstellungsformen in ein Feld einzubringen, das auf belastbare Daten angewiesen ist, aber noch viel Potenzial in der Form ihrer Aufbereitung hat. Wo klassische Tabellen schnell an Grenzen stoßen, kann gute Visualisierung helfen, Unterschiede sichtbar zu machen, Diskussionen zu strukturieren und Kulturpolitik als lernfähiges, datenbasiertes Feld weiterzuentwickeln.


